neuigkeiten

12.2020
Call for Papers!
Call for Papers!

Liebe Pressevertreter*innen,

in Ihrer Stellungnahme vom Juni 2020 halle02 sagt goodbye! gaben die beiden Geschäftsführer der halle02 GmbH & Co.KG, Felix Grädler und Hannes Seibold, das vorläufige Ende des kuratierten Programms der halle02 bekannt und werden nach 18 Jahren erfolgreicher Kulturarbeit bis auf weiteres keine selbst produzierten Kulturveranstaltungen mehr im Güterbahnhof Heidelberg auf die Beine stellen. Sie begründeten es damit, dass

es an Folgendem fehle, an:

  • einer Perspektive für eine wirtschaftliche Geschäftsgrundlage als Kulturbetrieb, dessen Basis nicht persönliche Ausbeute, Raubbau an Mitarbeiter*innen, illegale Grenzzonen-Gänge oder persönlich unkalkulierbare Haftungsrisiken sind. 

  • einer Perspektive für nachhaltige, innovative, kreative Kulturarbeit, die auf gesellschaftliche Anerkennung und auf Verständnis für die wirtschaftlichen Anforderungen trifft. 

  • einer Perspektive, die Verantwortung für 120 Mitarbeiter*innen übernehmen zu können, Kulturlieferant zu sein, Newcomerförderung zu betreiben, Nachhaltigkeit als Unternehmen zu leben und die Stadtgesellschaft kulturell mitzugestalten. 

Dennoch wollen sich die Beiden weiterhin für Gegenwartskultur und für Kultur für junge Menschen stark machen und daran mitwirken, dass es zusehends zu einer stärken Kulturgerechtigkeit in unserer Gesellschaft kommt und dass Gegenwartskultur einen höheren Stellenwert erfährt als sie aktuell innehat. Das hatten Sie ebenfalls im bereits erwähnten Statement angekündigt:

Wir arbeiten mit aller Kraft an

  • einer Perspektive, diese Hürden zu überwinden und in neuer Form zurückzukommen! Das können wir jedoch nicht aus eigener Kraft, aber wir fühlen uns mitverantwortlich, einen konstruktiven Prozess zu initiieren und engagierte Partner dafür zu finden.

Gerade die aktuelle Pandemie zeigt, wie weit die Schere zwischen etablierter, institutionell geförderter und privat initiierter, freier Kultur gerade für junge Menschen auseinander geht.

Die aktuelle Kulturpolitik in Deutschland ist noch immer geprägt von ihrer veralteten Förderpolitik, dem Erhalt des Status Quo durch die meinungsbildende Elite, den ewig gleichen kulturpolitischen Richtlinien, einem bewußt engen Kulturbegriff mit dem Fokus auf Hochkultur und einem traditionellen Verwaltungshandeln

Seit Ende des 19. Jahrhunderts, mit Ausnahme der  “Kultur für Alle”- und der “Demokratisierung der Kultur”-Bewegung in den 1970er-Jahren, hat sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis heute an der angestaubten deutschen Kulturlandschaft nicht viel getan. 

Daher ist es an der Zeit diese überalterte und elitäre Kulturpolitik neu zu denken und eine generationengerechte Kulturpolitik voranzubringen. Dabei müssen sowohl theoretische Diskurse innerhalb der Soziologie, der Politologie und innerhalb der Kulturwissenschaften geführt werden. Aber gleichzeitig braucht es konkrete praktische Ansätze als Best-Practise-Beispiel für die Kulturpolitiker vor Ort. 

Daher rufen Felix Grädler und Hannes Seibold Wissenschaftler*innen, Kulturschaffende, Kulturpolitiker*innen und Journalist*innen dazu auf ihre Beiträge zum Thema “Kulturgerechtigkeit im 21. Jahrhundert – Der Versuch einer generationengerechten Kulturpolitik” den Beiden zuzusenden. Aus den Einsendungen soll ein sehr praxisorientierte Handreichung für Kulturpolitiker, Kulturschaffende, Künstler*innen und junge aktive Kulturkonsument*innen entstehen, um dem Ziel einer gerechteren Kulturpolitik im 21. Jahrhundert näher zu kommen. Einsendungen von Konzepten können bis zum 28.02.2021 eingereicht werden. Die Veröffentlichung ist geplant für 2021.